Das Bundesverdienstkreuz…

(offiziell heißt es richtigerweise: Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

 

Am 06.12.2010 hat mir unser Bundespräsident, Christian Wulff, das Bundesverdienstkreuz für meine jahrelangen ehrenamtlichen Tätigkeiten verliehen. Angeregt worden ist es von Hattingen aus. Dort war ein Verein der Ansicht, dass ich es verdient habe. Ob dem aber wirklich so ist, kann man nachlesen unter.

http://www.driv-mg.de/index.php/presse/370-auszeichnungen.html

 

Nur eines ist auch sicher, allein kann man solche Arbeiten nie bewerkstelligen. Da braucht es eine Frau, die das alles mit trägt und man benötigt die richtigen Kollegen und Kolleginnen an seiner Seite. Und ohne die Mitglieder geht auch nichts. Ihnen allen zusammen gebührt also auch mein ganz persönlicher Dank, mein Dank dafür, dass mir diese große Ehre zuteil geworden ist.

 

Nun habe ich mir gedacht, deshalb kann ich auch einmal etwas Privates zu diesem Thema über mich schreiben….

 

Was kann ich nun zu meiner Person sagen?

 

Ich wurde am 30.08.1944 in Oker/Harz als 3. Kind von sehr konservativen Eltern geboren. Meine ältere Schwester habe ich nie kennen gelernt, sie ist bereits vor meiner Geburt verstorben…

 - Mein Vater kam erst Anfang der 50er Jahre aus der Kriegsgefangenschaft zurück. In unserer Familie galt nur Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit, wie wohl in vielen anderen Familien zu dieser Zeit auch. Mein Vater war als höherer Angestellter in einer der drei damals noch großen ortsansässigen Hütten beschäftigt, bei denen fast der gesamte Ort beschäftigt war.

Weil es in unserem Ort kein Gymnasium gab, ging ich nach einer dreitägigen Aufnahmeprüfung (so war das damals – zumindest bei uns im Ort) von der Grundschule in die dortige Mittelschule, die ich 1962 mit der „Mittleren Reife“ abschloss. – Schon während meiner Schulzeit war ich sehr engagiert als Klassen- und (im letzten Jahr) als Schulsprecher. Ich war ich in mehreren Schul – AGs aktiv, also, alles das hat mich mehr interessiert, was nichts mit dem direkten Schulunterricht zu tun hatte.

Ich war Mitglied bei den Pfadfindern (BDP - Bund Deutscher Pfadfinder). Mit 15 Jahren trat ich bereits dem DRK bei.

 

Wie es meistens bei strengen Eltern ist, neigte ich zum etwas „leichteren“ Leben. So hatte ich damals schon viele Brieffreundschaften mit Mädchen aus Dänemark, Japan und Südkorea. Ich zog auch schon als 20jähriger aus meinem Elternhaus aus, obwohl wir erst mit 21 Jahren volljährig wurden. - Vielleicht war ich schon ein "68er" in dieser Zeit, obwohl es diese Zeit noch gar nicht gab. Ich war auch immer ein Querdenker, bis heute, und ich glaube selten das, was man mir zu vermitteln versucht… - So war/ist es nicht immer leicht, mit mir auszukommen.

 

Nach der Schulzeit machte ich eine Lehre als Betriebsschlosser (Facharbeiterbrief) und besuchte zeitgleich, neben der Berufsschule, die Berufsfachschule in Bad Harzburg (Fachabitur). Im Anschluss daran wechselte ich als Schlosser unter Tage zum Erzbergwerk Rammelsberg in Goslar, da ich es als Praktikumszeit für mein Studium an der Berg- und Hüttenschule in Clausthal-Zellerfeld benötigte.

Ein weiteres Praktikum führte mich später auch wieder unter Tage, nach Kamp Lintfort, in die dortige Zeche „Friedrich-Heinrich“ und damit an den Niederrhein. - Hier genoss ich die Freiheit, weit entfernt von meinem Elternhaus, lernte die jungen Damen dieser Gegend kennen … und einige auch lieben.

In Kamp Lintfort brach ich mein Studium ab, um fortan für mehrere Jahre einen großen Karussellbetrieb zu leiten. – Mehrmals reisten mein Vater und mein älterer Bruder mir hinterher, um mich, den „Ausreißer“, zurückzuholen. - Aber mein Unabhängigkeitsdrang siegte und die Familie erkannte zumindest meine Arbeit jetzt an. - Diese Zeit, die ich gern als meine Lehr- und Wanderjahre betitele. - Zumindest habe ich hier Pünktlichkeit, Termine einzuhalten, für Mitarbeiter da zu sein, das nicht auf die Uhr schauen - und - das harte Arbeiten erlernt.

"Achtstundentage" sind für mich heute noch ein Fremdwort und ich habe sie auch nur sehr selten kennen gelernt. Aber trotz allem habe ich mir meine -mir persönlich angeborene- Fröhlichkeit bis zum heutigen Tage erhalten… - Ich bin der Meinung, das Leben ist schon hart genug, so sollte man es wenigstens mit etwas Humor würzen...

 

1971 beschloss ich „vor Anker“ zu gehen und heiratete. Ich wurde Vater einer Tochter und von einem Sohn. – Meine Neugier und der Drang nach einem unstetigen Leben ließen mich fortan in vielen Berufen arbeiten.

Nach meiner Scheidung widmete ich mich der Erziehung meiner beiden Kinder, die mir vom Gericht zugesprochen worden waren. Nach einem unverschuldeten Autounfall erkrankte ich für mehrere Jahre schwer und wurde deshalb auch arbeitslos. Erst ein Sozialgerichtsurteil ließ mich dann wieder am Arbeitsleben teilhaben.

1987, „nach siebenjähriger Probezeit“, heiratete ich meine jetzige Frau Dagmar.

Nach einer zweijährigen Umschulung begann ich meinen „Job“ beim "Baumarkt Wirichs" und wurde dort schon bald Warengruppenleiter (eine Art Abteilungsleiter). Später, als die Firma von der Praktiker GmbH aufgekauft wurde, brachte ich mich in die Betriebsratsarbeit ein und war mehrere Jahre lang der Vorsitzende dieses Gremiums.

2003 wurde mein Enkel Lukas geboren. Dessen Vater, mein Sohn, verunglückte 2005 tödlich bei einem Unfall. Seitdem kümmere ich mich vermehrt um meinen nun vaterlosen Enkel.

Nachdem ich krankheitsbedingt etwas vorzeitig (4 Monate früher) aus dem Berufsleben ausgeschieden bin, kümmere ich mich um „Haus und Hof“, um meine pflegebedürftige Schwiegermutter und/oder unterstütze meine Frau in ihrer Firma. Und so ganz nebenbei kommt mein Vereinsleben auch nicht zu kurz....

 

Mein „Werdegang als Ehrenamtler“ …

 

Klassen- und Schulsprecher an der Mittelschule, Klassensprecher in der Berufsschule.

 

Als Kind bin ich bei den Pfadfindern eingetreten, dort habe ich dann alle Stationen durchlebt, vom „Wölfling“ bis zum „Stammesführer“.

 

Mit 15 Jahren folgte dann der Eintritt in das DRK, zuerst als Helfer, später als Gruppenführer, Funker und Fernmelder. Später wurde ich Ausbilder für die 1. Hilfe und für „Sofortmaßnahmen am Unfallort“ (Ausbildung in der DRK-Schule in Osnabrück)

 

Mit Sondergenehmigung des Regierungspräsidenten von Braunschweig, als 16jähriger, verpflichtete ich mich für 10 Jahre im „Luftschutz“ (später in „Ziviler Bevölkerungsschutz“ umbenannt), da ich nicht zum Wehrdienst herangezogen werden wollte.

 

Mit 17 Jahren „rief“ ich das Jugendrotkreuz in unserem Ort ins Leben und machte meinen Jugendgruppenleiterschein.

 

In den Folgejahren half ich meinen Freunden und Bekannten - wann immer sie Hilfe benötigten - beim Hausbau, Renovieren oder beim Umzug. -  Meine Freizeit verbrachte ich in diversen Skat- und Kegelclubs.

 

Anfang der 80er Jahre halfen und unterstützten meine (spätere )Frau Dagmar und ich Menschen in Polen, Rumänien (Aktion: „Deutsche helfen Deutschen in Rumänien“) und Russland.

Aus dieser Arbeit heraus entstand 1989 die Initiative „Die Kinder von Tschernobyl Mönchengladbach“, die 1991, nun als eingetragener Verein, beim Amtsgericht Mönchengladbach in das Vereinsregister eingetragen worden ist. -  Dort war ich, bis zur Schließung des Vereins 2009, der 2. Vorsitzende und zuständig für die Beschaffung und den Transport von humanitärer Hilfe, sowie für das „Erbetteln von Geldmitteln“. Aus diesem Grund reiste ich auch sehr viel nach Weißrussland, auch nach Russland und in die Ukraine. Im Kernkraftwerk „Tschernobyl“ war ich häufiger Gast und die "verstrahlte Zone" oft mein Zuhause....   

 

Während meiner beruflichen Tätigkeit nahm ich an vielen Fortbildungen teil, wurde Betriebratsvorsitzender, Sicherheits- und Brandschutzbeauftragter meines  Arbeitgebers in Mönchengladbach.

 

1996, nach dem Besuch in "Tschernobyl" zum 10jährigen Jahrestags des"Reaktorunfalls" gab ich den Anstoss und half, den Verein „Kinder von Tschernobyl Harz e. V.“, in meiner Heimatstadt Goslar/Oker, ins Leben zu rufen.

 

1998 wurde ich in den Initiativkreis gerufen, der 1999 den „Deutsch-Russischen Integrationsverein Mönchengladbach e.V.“ gründete.

Diesen Verein leitete ich (hoffentlich erfolgreich) viele Jahre, bis zu meiner Wahl 2010 in den Integrationsrat der Stadt Mönchengladbach. Nach einem Jahr " Zwangspause  -weger der IR-Wahl - bin ich seit 2011 nun wieder der Vorsitzende. Ich besuchte in all dieser Zeit viele Seminare, nahm mit und für den Verein an mehreren Ausschreibungen teil, die den Verein dann letztendlich auch in „Europa“ (durch das „AAMEE – Projekt“ des Landes NRW) bekannt gemacht haben. Ich vertrete den Verein beim Elternnetzwerk NRW, sowie bei der „Aktion – zusammenwachsen“ der Bundesrepublik Deutschland und in mehreren "Runden Tischen" oder Gesprächskreisen hier in unserer Stadt.

 

2008 war ich Mitbegründer des Fördervereins „Feste Hand e.V.“ in Viersen und bin dort seit Anbeginn in den erweiterten Vorstand gewählt worden.

 

Seit 2010 bin ich Mitglied im Verein „Methusalem e.V. Mönchengladbach und wurde dort zum „Kassenwart“ gewählt.

 

Herr Schmitz, unser Integrationsbeauftragter der Stadt, hat einmal folgendes über mich gesagt: "egal, wo du hinfährst oder hinkommst, der "Ossig" ist immer schon vor dir da". - So sehe ich meine ehrenamtliche Tätigkeiten - informieren, sondieren, Kontakte schließen, Kontakte pflegen und jederman Hilfe anbieten, wenn ich gefragt werde.... 

 

Rainer Ossig, den 02.03.2011