Vernetzungstreffen
08.06.2011

(Foto: R. Ossig)
Vernetzungstreffen der MSOs in NRW
Am 08.06.2011 gab es wieder einmal ein Vernetzungstreffen der MSOs bei der IFAK e. V. in Bochum (www.ifak-bochum.de). Eingeladen hatte die „Fachberatung MigrantInnenselbsthilfe“ des Paritätischen in Bochum. (http://www.paritaet-nrw.org/content/e14967/e16245/e16662/).
Ljiljana, unsere Praktikantin, und ich sind zeitig losgefahren, da die A52 und anschließend die A40 wegen der vielen Baustellen immer überfüllt sind und man oft für diese relativ kurze Strecke mehr als 2 Stunden benötigt. Da wir zeitig angekommen waren, konnten wir vorab noch in Ruhe einen Kaffee trinken.
Das Programm begann mit einer Einführung zu den heutigen Themen des Tages, vorgestellt von Frau Filiz Arslan, sie ist die Fachberaterin der MigrantInnenselbsthilfe. Danach folgte eine Vorstellungsrunde der TeilnehmerInnen.
Schon bald kamen wir zum heutigen Schwerpunktthema: „Stärkung der Elternbildungsarbeit in MSOs durch Fortbildung und Vernetzung“. Die Vortragende war Frau Prof. Dr. Veronika Fischer, Erziehungswissenschaftlerin, Professorin des Fachbereichs „Sozial-Kulturwissenschaften“ der FH Düsseldorf. Im Zuge ihres Vortrages sprach sie auch über ihren Evaluationsbericht bei der Begleitung und Entstehung des Elternnetzwerks NRW. (www.elternnetzwerk-nrw.de )
Danach sprach Erol Celik, Sprecher des Elternnetzwerks, über die Bedeutung der Bildungsarbeit in Migrantenselbstorganisationen. Er stellte noch einmal die bisherige Arbeit des Elternnetzwerkes vor, sprach über die Vorzüge einer Mitgliedschaft und wie er die zukünftige Arbeit dieses Netzwerkes sieht.
Im Anschluss daran stellte Victor Ostrowski, der geschäftsführende Vorstand von Phoenix-Köln e. V. (www.phoenix-cologne.com ) (s)ein Good–practice–Beispiel vor, das Projekt „MiGELO“ = Migranten Eltern Lotsen / Bildungsmaßnahmen für Russisch sprechende Eltern in der Eltern und Bildungsarbeit, nachzulesen unter www.MIGELO.de . Hierbei handelt es sich (nach seiner Aussage) um ein 3jähriges 1 Millionenprojekt von Phoenix Köln e.V. in Zusammenarbeit mit der Otto Bennecke Stiftung e.V. (OBS) – www.obs-ev.de .
(Das allein ist schon ein „Hammer“, wenn man bedenkt, dass sich Phoenix e. V. erst 2003 gegründet hat. Es lohnt sich, am Ende den Artikel von Peter Andratschke zu lesen, der 2004 einmal die beiden Vereine „Phoenix –Köln e. V.“ und unseren Verein, den DRIV-MG e.V., miteinander verglichen hat. – Da liegen Welten zwischen, allein schon bei den jetzt 21 fest angestellten Mitarbeitern bei Phoenix und unseren 1,- € Kräften. Aber ich denke, auch wir brauchen uns mit unserer Vereinsarbeit nicht zu verstecken, leisten wir gleichfalls gute Arbeit – nur auf einer völlig anderen Ebene und unter anderen Voraussetzungen.)
Da sich unsere Staatssekretärin (im MAIS), Frau Zülfiye Kaykin, angesagt hatte, um über die Integrationspolitik in NRW - in Verbindung mit der Zusammenarbeit mit den MSOs - zu sprechen, haben wir das köstliche Mittagsessen zwischen Tür und Angel eingenommen, weil Frau Kaykin früher als erwartet gekommen war, denn sie musste/wollte/ wieder rechtzeitig zur Vorstellung dieses Gesetzes im Landtag sein..
Nach den Punkten Verschiedenes und der Auswertung des heutigen Treffens konnten wir gegen 16.00 Uhr wieder unsere Heimreise antreten.
(Wir haben viel gehört und viel gelernt an diesem Tag.)
(R. Ossig, den 08.06.2011)
AUSSIEDLER
"Unser Know-how ist unser Kapital"
Deutsch – russische Integrationsvereine in NRW
" Wir möchten den Landsleuten, die zu uns kommen, so helfen, dass sie ein Dach über dem Kopf und ihr Auskommen haben, dass sie die Deutschen verstehen und verstanden werden. Daher tun wir alles, damit sie die Sprache lernen, die grundlegenden Strukturen dieses Landes begreifen, die ihnen bisher fremd waren, und Arbeit finden." So beschreibt Viktor Ostrowski die Aufgaben des im November 2003 gegründeten Kultur- und Integrationszentrums Phoenix in Köln, dessen Leiter er ist. „Mit anderen Worten: Wir leisten unseren Landsleuten die Hilfe, die notwendig ist, damit sie sich in die deutsche Gesellschaft integrieren können. "Ähnlich formuliert auch AWO- Sozialberaterin Maria Weihrauch, stellvertretende Vorsitzende des Deutsch - russischen Integrationsvereins Mönchengladbach, ihre Aufgabe.
Über mangelnde Arbeit können sich beide Vereine nicht beklagen. In Köln leben mehr als 10.000 Russischsprachige, während ihre Zahl in Mönchengladbach und Umgebung auf etwa 13.000 geschätzt wird. Maria Weihrauch: „Unser Verein, der im Mai fünf Jahre alt wurde, hat mehr als 200 Mitglieder. Da oft nur ein Familienangehöriger bei uns Mitglied ist, sprechen wir mehr als 1.000 Menschen an." Diese Relation gilt auch für Phoenix mit etwa 450 Mitgliedern.
Wer zur Beratung kommt, steht häufig vor elementarsten Problemen, gleichgültig, ob es sich um Aussiedler handelt, die Deutsche im Sinne des Gesetzes sind, um Familienangehörige aus Russland. Kasachstan oder Moldawien, die diesen Status nicht haben oder um Juden. Sozialarbeiterin Ljuba Span von Phoenix: „Sie wissen nicht, was sie tun müssen, um eine Wohnung zu bekommen, haben keine Arbeit und müssen, um zu überleben, erst einmal Sozialhilfe beantragen. Und das vor dem Hintergrund, das sie kaum deutsch können." Maria Weihrauch ergänzt: ..Sie kommen ausnahmslos mit ganz großen Hoffungen nach Deutschland und sehen, dass alles ganz anders ist, als sie es sich vorgestellt haben. Sie sind daher zunächst einmal sehr erleichtert, dass wir sie auf Russisch beraten können.- Das zentrale Problem beschreibt Viktor Ostrowski: „Viele wissen nicht, dass in dieser Gesellschaft die Eigeninitiative die Grundlage jedes Erfolges ist. Das war in der Sowjetunion und ist zum Teil in den Nachfolgestaaten ganz anders! Auf diesen Punkt weisen wir in den Beratungen immer wieder hin." In der Vergangenheit jedoch kümmerte sich auf diese Weise kaum jemand um die russischsprachigen Migranten. Das Ergebnis: „Tausende unzufriedener Zuwanderer aus dem Osten bilden in bestimmten Stadtteilen der Großstädte eine Parallelgesellschaft, die perspektivlos von Sozialhilfe lebt und verzweifelt einem Traum nachjagt, den sie nicht verwirklichen kann: „ein normales Leben", weiß Ostrowski. Die Folgen sind bekannt: „Die erfahren wir dann von Gefängnisbeamten." Inzwischen konnte Phoenix dank einer Vereinbarung mit der Justizverwaltung damit beginnen, regelmäßig russischsprachige Häftlinge in der JVA Köln - Ossendorf zu beraten und zu betreuen. Ostrowski schwebt vor, eine Art Gefangenenselbsthilfe zu organisieren.
Um ihren Mitgliedern optimal helfen zu können, arbeiten der Kölner wie der Mönchengladbacher Verein mit Behörden und Institutionen so eng wie möglich zusammen. Zum Beispiel mit der RAA (Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien), deren Arbeit entscheidend ist, dass die Kinder und Jugendlichen den ihren Kenntnissen entsprechenden Schultyp besuchen und zum Beispiel im Fall mangelnder Sprachkenntnisse- gezielt gefördert werden.
Zudem sucht Phoenix den Kontakt zu Unternehmen. So übergab vor kurzem die Firma Microsoft dem Zentrum 12 Computer mit Internetzugang zur Einrichtung einer Computerklasse. „Nun können wir unseren Landsleuten eine Qualifikation vermitteln, ohne die sie auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben", sagt Ostrowski, der dabei vor allem junge Leute im Blick hat, die noch keine Azubis sind. Die Arbeitsagentur kann solche Lehrgänge als zielgerichtete Eingliederungsmaßnahmen anerkennen. Nicht zufällig besprechen derzeit die Kölner Arbeitsagentur und Phoenix ihre künftige Zusammenarbeit. Dabei wird diskutiert, ob die Arbeitsagentur das Integrationszentrum damit beauftragt, die bei ihr gemeldeten arbeitslosen russischsprachigen Migranten in Arbeit zu vermitteln. Dazu stünden bei Phoenix vier ABM - Kräfte zur Verfügung.
Dass dies keine einfache Aufgabe ist, weiß Maria Weihrauch aus Erfahrung: „Für diese Menschen Arbeitsstellen zu bekommen ist enorm schwer. Wir haben hoch gebildete Menschen im Verein, Informatiker, Professoren, Lehrer. Das Arbeitsamt hat ihnen allen erklärt, sie sollten ganz schnell vergessen, was sie gewesen sind und sich umschulen lassen. Die Ergebnisse waren teilweise vollkommen unsinnig und geradezu grotesk."
Ostrowski versucht daher, Unternehmen z.B. für die im Verein organisierten Jugendlichen als potenzielle Arbeitskräfte zu interessieren: „Wir haben einige Jungs, die sehr gut in Mathematik sind und von Computern mehr als nur eine Menge verstehen. Es liegt auf der Hand, dass Firmen wie Microsoft an ihnen interessiert sein müssten. Genau hier setzen wir an: Wir versuchen auch in diesem Fall beide
Seiten, also Deutsche und unsere Leute zusammenzubringen, damit sie gegenseitig ihre Stärken kennen lernen und diese nutzen. Soll heißen: Wenn diese Jungs eines Tages bei Microsoft arbeiten, dann haben sich unsere Anstrengungen gelohnt." Eine weitere Aufgabe ist die Beratung von Existenzgründern. Während in Mönchengladbach dieses Thema gerade erst ins Blickfeld rückt, konnte Phoenix bereits zwei jungen russischen Modedesigne-rinnen den Weg in eine bisher erfolgreich verlaufene Selbstständigkeit bahnen; Phoenix hilft ihnen nach wie vor mit Rat und Tat. Beide Vereine führen neben ihrer umfangreichen Beratungstätigkeit eine Reihe kultureller Veranstaltungen durch.
Weihrauch: „Besonders stolz sind wir auf unseren Literaturkreis, der immer zweisprachig durchgeführt wird. Zuweilen zählen wir dabei 300 Gäste!
Außerdem organisieren wir Liederabende, denn wir haben in unserem Verein Mitglieder, die eine hervorragende Gesangsausbildung haben". Ihr Kollege Anatoli Hermann leitet die etwa 15 Mitglieder starke Gruppe, die eine besondere Qualität hat. Hermann: „Es ist eine Freude zu sehen, wie sich diese Leute gegenseitig immer wieder tatkräftig unterstützen!" Es gibt eine Fußballgruppe, die mit einem Mönchengladbacher Verein zusammen spielt und eine Volleyballgruppe. Natürlich darf in beiden Vereinen auch ein Schachclub nicht fehlen.
Phoenix organisiert außerdem Ausstellungen russischer Künstler im Integrationszentrum. Viktor Ostrowski hofft, dass sein Zentrum durch die tägliche, nicht immer einfache Arbeit mit Migranten und Behörden Know-how
erwirbt, das er eines Tages als Dienstleistung anderen Städten anbieten kann: „Unser Know-how ist unser Kapital!" Er denkt daran, die Inte-
grationsvereine zu vernetzen und zu einem regelmäßigen Austausch von Informationen zu gewinnen. Schaut man bei Phoenix genau hin, sieht man vieles, was sich im positiven Sinn entwickeln ließe. Dazu gehört eine kleine Zeitschrift, in der zum Beispiel auf einer ganzen Seite das umfangreiche Beratungsangebot des Zentrums aufgelistet ist.
Peter Andratschke
Kontakte:
Phoenix-Köln e. V., Dechen Str.20,50825
Köln. Tel. 0211-5006852.
www.phoenix-cologne.com . Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Deutsch-russischer Integrationsverein Mönchengladbach.
Tel.: 02166-139210.
www.driv-mg.de . Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .


